Einblicke in die Arbeit mit einem jungen Asperger-Erwachsenen.

Hier möchte ich einmal über die Erfahrung mit einem jungen Erwachsenen Asperger berichten.

Ein erwachsener Asperger braucht eine andere Führung, als ein Kind oder Jugendlicher. Bei Diesen  steht das Erlernen von Verhaltensmuster, die dem Asperger fehlen,  oder das sich auseinander setzen mit der Behinderung im Vordergrund.
Bei einem jungen Erwachsenen stehen der Freiheitsdrang und die Selbstverwirklichung im Kampf mit seiner Behinderung. Er möchte gerne selber entscheiden, aber kollidiert dann immer wieder mit dem „nicht können“
Hier sind die Betreuer sehr gefragt. Sie müssen die Gratwanderung zwischen Selbstständigkeit und Führung ohne Bevormundung finden.  Der Junge Aspie fordert hier seine Freiheit und hat den Wunsch sein Leben selber zu regeln. Aber schon nach kurzer Zeit trifft er auf seine Grenzen, ohne zu merken wo dran es liegt.
Das kann bei der eigenen Wohnung schon bei der Ordnung sowie Sauberkeit anfangen. Mein Sohn lebt in einer 2er-WG mit einem anderen Asperger zusammen. Hier ist ein ständiger Kampf mit der Ordnung und Sauberkeit. Durch die Behinderung und der daraus gestörten Wahrnehmung, merken sie nicht, dass der Müll sich schon stapelt, oder dass „Ihre Ordnung“ nicht mit der eines, für unseren Maßstäben, normalen Haushalt zusammen passt.(Sie sehen es wirklich nicht!! Also kein böser Wille). Anderseits nervt es den jungen Erwachsenen immer wieder, dass er darauf hingewiesen wird.

Das gleiche gilt auch für den Umgang mit Geld, Arbeit, oder Zusammenleben.  Immer wieder versucht der Asperger sich als normaler Erwachsener zu sehen, aber ohne Führung stößt er sehr schnell an seine Grenzen. Da er aber die Grenzen nicht sieht, muss der Betreuer immer wieder versuchen ihn auf das Problem anzusprechen. Dies aber so, dass er selber merkt, dass es ohne die Hilfe nicht geht. Hier wird in Gesprächen immer wieder die gleiche Frage gestellt. „Worin siehst du deinen Hilfebedarf“. Durch diese Frage muss der Asperger mit den Betreuern den Hilfebedarf erarbeiten. In diesem Erarbeiten hat man die Möglichkeit, ihn auf seine Defizite aufmerksam zu machen und ihn dadurch zur Einsicht zu bringen.

Hier ist es von Vorteil, wenn man bestimmte Aufgaben auf verschiedene Schultern legt. Mein Sohn hat nun eine amtliche Rechtsbeihilfe für seine Finanzen bekommen, für die Wohnung eine Haushaltshilfe (Putzfrau) und für den Rest ist sein Betreuer da.  Dadurch kann sich der Betreuer auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, wie Zukunftsplanungen, Arbeit, Probleme im Sozialen.  Dazu hat man den Vorteil, dass wenn Grabenkämpfe entstehen und die sind in der Arbeit mit Betreuern unausweichlich, der Asperger sich nicht in allen Teilen blockiert und somit auch das Gefühl von Eigenständigkeit behält. Da kann es dann passieren, dass er einige Zeit die Zusammenarbeit mit dem Betreuern ablehnt, aber dadurch, wenn es finanzielle Erforderlichkeiten es nötig machen, dies mit seiner Rechtsbeihilfe regeln kann.

Das größte Thema ist und bleibt aber die Zukunftsperspektiven. Da ein Asperger nur sehr selten in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden kann, muss man sich andere Wege der Planung überlegen.  Hat er als junger Erwachsener die Schule, hier oft mit vielen Anläufen geschafft, dann kommen nun die Überlegungen, welche Möglichkeiten man neben dem ersten Arbeitsmarkt hat.  Auch hier hat der Asperger eine gestörte Wahrnehmung. Da er nicht versteht, dass durch seine mangelnde Empathie er immer Probleme mit Menschen hat, sieht er auch nur sehr eingeschränkt die Probleme, die bei einer Zusammenarbeit mit ihm entstehen würden. Mein Sohn hat den Vorteil, dass er durch einige Praktika dies schmerzlich erlernen musste, da es am Ende fast immer daran gescheitert ist.

Die Suche nach einer geeigneten Maßnahme, wie auch immer diese aussieht, ist ein für den Asperger, seine Betreuer und sein familiäres Umfeld ein schwerer und langwieriger Weg. Gezeichnet durch viel Frust über mangelnde Möglichkeiten, Unverständnis auf seitens des Aspergers (da seine Wünsche ja dennoch wie bei jedem anderen vorhanden ist) und natürlich auch den Wünschen, die ein jeder Vater oder Mutter hat, wenn es um die Lebensplanung seiner Kinder geht.

Ich werde versuchen die weiteren Schritte meines Sohnes und was ich daraus lerne hier nieder zu schreiben, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Leser damit etwas anfangen kann.